Besondere Team-Erfolge
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  Artikel veröffentlicht in "Wirtschaft - Das IHK-Magazin für München und Oberbayern", 01/2009

Unternehmen + Märkte / Spielplatzgeräte Maier
Erfolgreich mit Handicap

Die Spielplatzgeräte Maier gGmbH mit Sitz in Traunreut gehört zu Deutschlands führenden Spielplatz- und Freizeitgeräteherstellern. Im Jahr 2006 gründeten die Geschäftsführer eine gemeinnützige Integrationsfirma.  Elisabeth Reiche

Ein eingeschworenes TeamDie integrative, gemeinnützige Spielplatzgeräte Maier gGmbH ist heute der ganze Stolz der Geschäftsleute Ernst und Christine Maier. Motiviert durch die langjährige gute Zusammenarbeit mit regional angesiedelten Behindertenwerkstätten, für die die Maiers in ihrem Betrieb regelmäßig Praktikumsplätze zur Verfügung stellten, beschloss das Unternehmerpaar im Jahr 2005, sein Engagement gezielt vor Ort zu bündeln, wie Ernst Maier erzählt. Heraus kam nach gut einem Jahr Projektarbeit ein zukunftsweisendes Unternehmensmodell, das geistig, psychisch und körperlich erkrankten Erwachsenen und Jugendlichen Arbeitsplätze bietet: "Wir wollten, dass ein Teil der Mitarbeiter Menschen mit einem Handicap sind."
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Die gGmbH bietet heute 36 feste Arbeitsplätze; von den Angestellten sind 17 schwerbehindert. 1) 
"Sie brauchen speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Arbeitsplätze und andere Strukturen als nicht beeinträchtige Personen", weiß der Geschäftsführer aus Erfahrung. "Bei uns bekommen sie außerdem fachspezifische Betreuung und Unterstützung, um sich ins Arbeitsleben eingliedern zu können." Dafür absolviert der Werkstattleiter der gGmbH gerade eine Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft, um intensiver auf Mitarbeiter mit körperlichen oder psychischen Problemen eingehen zu können.
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Als die Maiers das integrative Firmenprojekt beschlossen, war ihnen klar, dafür auch den Produktionsprozess ändern zu müssen. So war zunächst die Aufspaltung der Geschäftsbereiche auf zwei Betriebe notwendig: Die ursprüngliche GmbH behielt Planung, Entwicklung und Vertrieb der Spielplatzgeräte bei, während Produktion und Verkauf künftig in den Händen der neuen Integrationsfirma liegen sollten. Indem die Maiers einen bereits bestehenden, gutgehenden Betrieb ausgliederten, standen die Vorzeichen von Anfang an gut: "Dadurch war das Geschäftsrisiko einigermaßen gemindert."
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Von dieser Last befreit, konnte sich das Geschäftsführerpaar dem eigentlichen Zweck der gemeinnützigen Firma zuwenden, und sich um die adäquate Einbindung der neuen Mitarbeiter kümmern: "Wer nur körperlich behindert ist, kann zum Beispiel mit Stress besser umgehen als ein psychisch Kranker. Also erledigen die einen die an Termine gebundenen, auftragsbezogenen Arbeiten und die anderen fertigen Serienteile, die wir ohne Zeitdruck immer wieder brauchen." Dazu habe man erst einmal herausfinden müssen, wer belastbarer ist und wem man gewisse Arbeiten nicht zumuten kann. "Inzwischen habe ich viel Erfahrung mit den Erkrankten hinzugewonnen", sagt Maier.
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Erschreckend findet er bei Vorstellungsgeprächen immer wieder, wenn Bewerber schildern, wie und mit welchen Argumenten Personaler sie häufig abweisen. "Eine Bewerberin hatte einen Burnout hinter sich und rechnete auch bei uns mit einer Absage, weil sie es nicht anders gewohnt war. Dabei kann das jedem passieren! Da muss man halt einen Gang rausnehmen", ist die Meinung des Geschäftsführers.
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Er kennt die kleineren und größeren Handicaps seiner integrierten Mitarbeiter gut und weiß, dass er sich trotz mancher Einschränkungen auf ihre Arbeitsleistung verlassen kann. So habe einer seiner Angestellten beide Füße bei einem Unfall verloren. Doch er sei eben nur etwas langsamer beim Gehen - seinen Job erledige er zuverlässig wie jeder andere. Der 34-jährige Markus zum Beispiel, der aufgrund einer psychischen Erkrankung zu 70 Prozent schwerbehindert ist, hatte schon nicht mehr damit gerechnet, auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen. Heute ist er Produktionshelfer bei der Spielplatzgeräte Maier gGmbH und liebt seine Arbeit an der Schleifmaschine: "Wenn man sieht, wie beim Schleifen der Hölzer Schicht für Schicht die Maserung zum Vorschein kommt - das ist für mich wie Meditation", schwärmt er. Sein fester Arbeitsplatz gebe ihm Sicherheit "und das gute Gefühl, in einem normalen Umfeld akzeptiert zu sein".
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Wie die Gesellschaft üblicherweise mit Leuten wie ihm umzugehen pflegt, darüber hat er sich seine eigene Meinung gebildet: "Behinderte werden künstlich ausgegrenzt und in die Langzeitarbeitslosigkeit abgeschoben. Dabei ist es doch viel günstiger und effizienter, sie gezielt mit einzubinden." Jeder Mensch wolle doch auf irgendeine Weise wertgeschätzt werden. Seine Wertschätzung erfahre er täglich durch seinen Arbeitgeber und die Kollegen - die behinderten wie die nicht beeinträchtigten. Ein Schreiner aus der Montagewerkstatt bekräftigt seinen Eindruck: "Leute wie der Markus bringen einen Arbeitsgeist mit, so was findet man selten. Das ist für uns eine große Entlastung. Wir profitieren voll und ganz von ihrer Initiative." Ein anderer langjähriger Mitarbeiter nickt und meint, er wisse gar nicht mehr, wie das vorher ohne die neuen Kollegen gegangen ist: "Wir sind schon ein eingeschworenes Team."
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Ernst Maier sieht auch den anderen Effekt der Integrationsfirma. "Unser Horizont hat sich erweitert, die Arbeitsatmosphäre ist noch besser geworden. Unsere Mitarbeiter und auch ich selbst sind durch die Arbeit mit behinderten und erkrankten Menschen wesentlich aufgeklärter und verständnisvoller geworden." Viele neue Dinge hätten sich seitdem für sie aufgetan, darunter die Erkenntnis, "dass nicht immer alles so rational zugehen muss in der Geschäftswelt, es darf auch mal menscheln."
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Denn bisweilen muss die Firma auch in Sachen Lebenshilfe mit Rat und Tat zur Seite stehen. Da fällt dem Chef auf, dass ein Mitarbeiter täglich hungert, weil er nie gelernt hat, selbst für seine Brotzeit zu sorgen. Ein anderer schafft es nicht aus eigener Kraft, sich eine Wohnung zu suchen, und bekommt Unterstützung beim Umzug. Mit solcherlei "Hindernissen" kommt Maier, ein standfest und zuversichtlich wirkender Mann, gut zurecht. Im Gegenteil, er habe es sich komplizierter vorgestellt. "Die Leute wollen lernen und etwas Sinnvolles tun. Man kann doch einen Behinderten, der genauso den Wunsch nach einer geregelten Arbeit hat wie jeder andere auch, nicht pauschal in eine Behindertenwerkstätte stecken." Mit der gemeinnützigen GmbH wolle man nach außen transportieren, dass die Integration dieser Menschen in den meisten Betrieben durchsetzbar ist. Zumindest in der regionalen Politik und bei den Kunden - vorwiegend Kommunen, Gemeinden, Kindergärten und Wohnungsbaugesellschaften in ganz Deutschland, Österreich und neuerdings auch bald in der Schweiz - stößt die Intergrationsfirma auf ein durchwegs positives Echo. Die Maiers können ohne falschen Stolz von sich behaupten, ein bayerisches Pioniermodell auf die Beine gestellt zu haben. Doch das ist nicht die Sache der Geschäftsführer. Ernst Maier widmet sich stattdessen lieber seinen weiteren Plänen mit dem gemeinnützigen Unternehmen: Es soll sich in absehbarer Zeit selbst tragen, ohne Darlehen und Zuschüsse von Dritten "gesund auf eigenen Füßen stehen" können. Man wolle auch in Zukunft langfristig behindertengerechte, feste Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen.
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Maier wehrt sich gegen den "leider in Industriekreisen noch weit verbreiteten" Vorwurf, gemeinnützige Firmen wollten aufgrund ihres auf sieben Prozent gesenkten Mehrwertsteuersatzes den Markt mit Dumpingpreisen erobern: "Unsere Produkte haben eine hohe Qualität und werden zu angemessenen Endpreisen verkauft wie alle anderen auch." Der Erlös der gGmbH fließe derzeit ohnehin noch einzig und allein zurück zum Projekt, um so den Mehraufwand für die Beschäftigung und Betreuung der Behinderten zu finanzieren.
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  Info
Die Firmengründer Christine & Ernst MaierErnst Maier, gelernter Bankkaufmann, spezialisiert sich 1982 auf die Herstellung hochwertiger Spielplatzgeräte und baut den kleinen Handwerksbetrieb zum erfolgreichen Mittelstandsunternehmen mit einem Umsatz von zuletzt 8,6 Millionen Euro (2007) aus. In den Traunreuter Produktionsstätten werden jährlich rund 1.500 Kubikmeter Holz verarbeitet; in Deutschland und darüber hinaus konzipiert und saniert der Spielplatzgerätehersteller Kinderspielplätze und bietet neben Komplettbetreuung auf Wunsch auch Sicherheitsüberprüfungen an. Produktion und Verkauf der Spielplatz- und Freizeitgeräte bündeln sich seit 2006 in der gemeinnützigen Integrationsfirma der Spielplatzgeräte Maier gGmbH.
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1) Anmerkung von Spielplatzgeräte Maier zum aktuellen Stand unserer Mitarbeiterzahlen:
In der ursprünglichen GmbH sind derzeit knapp 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angestellt. Zusätzlich sind im neuen gemeinnützigen Integrationsprojekt mittlerweile gut 50 in Voll- und Teilzeit Beschäftigte tätig, bei denen wir bereits für fast zwei Dutzend Kolleginnen und Kollegen individuell behindertengerecht ausgestattete, langfristige und qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen haben.

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